Plankstetten. „Noche mágica“ war das dritte Konzert der 21. Saison im Kloster Plankstetten betitelt; und die Lieder von Liebe, Freude, Stolz, vielfach aber auch von Leid und Trauer aus Spanien, Mexiko, Argentinien und Chile ließen die Zuhörerschaft im dicht besetzten Saal eine in der Tat „magische Nacht“ erleben. Die Melodien aus dem 19. und 20. Jahrhundert orientierten sich an moderner, aber nicht atonaler Musik und an der Volksmusik dieser Länder, so Professorin Dr. Manuela Jahrmärker bei ihrer Begrüßung. Dabei war es den Übersetzungen zu danken, daß sich die Textinhalte und die musikalischen Charaktere aufeinander beziehen und verstehen ließen.

Mit einem Klaviersolo von Turina führte die erfahrene Pianistin Mariora Trifan in diese bei uns klanglich weitgehend unbekannte, oft auch ernste Welt ein, wie dem Klavier denn überhaupt ein ausdrucksintensiver, oft höchst virtuoser Part anvertraut ist. Zugleich gelang es ihr, die Gesangssolisten, alle aus Mexiko, alle in Deutschland zu Hause, gleichsam anzuspornen und zu tragen.

Der Tenor Armando Elizondo glänzte mit lyrischer Emphase, ließ lange Bögen entstehen und verklingen: So besang er sein verwundetes Herz, da die Geliebte ihn verließ (Ponce); mit wiegender Melodie, später unterstützt von hüpfenden Rhythmen des Klaviers sang er die einstige Geliebte in den Schlaf (Talavera). Gelegenheit zu ganz anderem Ton bot Elizondo Serranos „Maria auf dem Kreuzweg“. Mit vielen Klangfarben, die vom klaren, zärtlichen Tonfall bis zu schmerzbewegter Klage in hoher Lage reichten, machte er das Geschehen erfahrbar. Auch die Gefühlswelt für Angst (Turina) besang er mit entsprechender Klavierbegleitung eindrucksvoll: „Angst vor dir“: voluminös, dramatisch,  „Angst ohne dich“: zart, zurückhaltend.

Die Sopranistin Scherhezada Cruz stellte sich mit bald frohen, bald melancholischen Volksliedern von Ginastera vor, an deren Schluß beim „Katzentanz“ (Gato) Klavier und Stimme in feurig-spritzigem Elan wetteiferten. Mit dem „Schmetterling“ (Morales) und dem Volkslied Guendanabani (Torroba) konnte sie die Breite ihres Könnens entfalten: Souverän gesungene Koloraturen fangen den Schmetterlingsflug ein, dazu spielte sie entzückend das Gaukeln der bunten Geschöpfe mit Armen und Händen nach: Spontaner Beifall und Rufe belohnten diese Darbietung. „Der letzte Abschied“, den Cruz auch ihrer Mutter sang, stellte sie stimmlich wie schauspielerisch als inniges Gebet dar, mit schöner Stimme die ruhigen, gefühlvollen Linien mit Leben füllend.

Der hohe Bass Daniel Noyola überzeugte in allen seinen Liedern mit klangvoller Stimme, als Darsteller und nicht zuletzt mit hervorragender Diktion. Dem Hämmern des Klaviers entsprach sein kräftiger Ruf „Cordoba!“ in Morenos Reiterlied (Moreno); den mächtigen Akkorden in dessen „Alba“ der angstdurchdrungene Tonfall. Hervorragend vollzog er mit der Pianistin die Stimmungsumschwünge in dem „Weidenzweig“ (Guastavino) nach. Und wo es wie hier um Liebe und vergebliches oder fernes Glücklichsein geht, wie auch in dem berühmten Tango „Wenn du mich liebst“ (Gardel) oder im Tango „Verlorene Vögel“ (Piazzola), da gab sich Noyola, sehnsüchtige, schöne Töne und lange Bögen formend, ganz der Musik und ihren Emotionen hing.

Höhepunkte waren freilich die Duette. Da kokettierte Cruz auch stimmlich mit ihrem lyrischen Verehrer Elizondo (Torroba); im Duett mit Noyola, das beim Palmenhain spielt, konnte sie wieder ihre Koloraturen als Steigerung des emotionalen Spiels einsetzen. Das Publikum dankte ihnen mit viel Applaus und erklatschte sich eine Zugabe. Die Pianistin setzte sich kurzerhand ans Klavier, machte ein Vorspiel, Sängerin und Sänger setzten ein und verabschiedeten sich als Trio mit ihren herrlichen Stimmen mit einem Liebeslied. Dafür gab es noch einmal langen, rauschenden Beifall und stehende Ovationen.

Johann Grad

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