Drei Künstler, von denen jeder für sich überzeugte, die zugleich nicht nur bestens zueinander passen, sondern die sich aufeinander einzustellen wussten; und schließlich ein Programm, das in seiner Abfolge genauestens geplant war, um Abwechslung zu garantieren. Doch von vorne: Es traten auf die Sopranistin Isabella Gantner, die Mezzosopranistin Madeleine Maier und der Pianist und Komponist Philipp Vogler. Er war gewissermaßen die tragende Säule des Trios, der die Zuhörer mit dem Vortrag der Liedtexte und kurzen Erläuterungen auf das Kommende einstimmte und so das Programm stimmig abrundete, der aber vor allem als musikalischer Akteur dem Gesang sein Fundament und seine je charakteristische Farbe zu geben weiß und keineswegs nur „Begleiter“ genannt zu werden verdient. Mit Beethovens Bagatelle op. 119,1, einer elegischen Miniatur von 2 Minuten Dauer, führte er hin zum schlichten Ton des Mendelssohnschen Duos „Herbstlied“, mit dem die Sängerinnen sich sofort als stilsichere Interpretinnen mit bester Aussprache zeigten. Zu hören waren Lieder des 19. und 20. Jahrhunderts von Mendelssohn, Brahms, Schumann, von Fauré, Mahler, Krenek, Fauré und Nadia Boulanger; hinzu kamen Arien von Dvořák, Massenet, Bizet und Mozart. Da ging es um Liebe, ihre beglückenden Momente, aber auch Wut, Enttäuschung und Verzweiflung angesichts ihres (möglichen) Verlustes. Isabella Gantner, längst eine erfahrene Konzertsängerin, die deutschlandweit auftritt, glänzt mit einer klaren Stimme, der nichts schwer erscheint, mit beeindruckender Sicherheit auch bei „gefährlichen“ Sprüngen, mit wohldurchdachter Phrasierung und Gestaltung des Textes. Dies alles zu präsentieren bot sich freilich ganz besonders Kreneks Monolog der Stella an: Zusammen mit Philipp Vogler wurde daraus eine hochdramatische Szene, in der die Sängerin alles in den Dienst des Ausdrucks stellte. Man spürte ihre Verzweiflung, weil sie den Geliebten verloren glaubt, und fühlte ihr Glück, dass der Geliebte dann doch zurückkehrt: Ihre zagende Bitte „Käm’ er doch“, sparsam und zurückhaltend leise begleitet, ist gefolgt von Läufen im Klavier, die sich unter Voglers Händen zu orchestralem Klang entwickelten und dem strahlenden Ausruf „Er ist da!“ die ganze Fülle überwältigter Freude verliehen. Madeleine Maier konnte mit ihrer vollen, runden und warmen Stimme, die auch in der Tiefe trägt, gewinnen. So gestaltete auch sie mit dramatischem Impuls, den Vogler entschieden vorgab, etwa den stürmischen Abschied der Reiter in Mahlers „Scheiden und Meiden“. Das Klavier setzte die Atmosphäre, flott und vorandrängend das Reitergetrappel, leicht zögernd die Ade-Rufe. Im folgenden Brahms-Lied, „Heimweh“ op. 63/8, entschieden sich beide Partner für einen durchgehend melancholischen, leisen Ton, ohne daß dies farblos gewesen wäre. Nur zu gern folgte man Mozarts Duett „Ah guarda sorella“ aus Così fan tutte, in der die beiden Schwestern von ihren Verlobten schwärmen: Es herrschte volle Lebenslust, die den Gedanken, dass es da etwas sängerisch zu meistern galt, vergessen ließ, während der Pianist, auf Charakterisierung jeden Moments bedacht, dem Klavier orchestrale Klänge entlockte. Das Publikum, zuerst etwas verhalten, ließ sich zunehmend mitnehmen in diese Gefühlswelten, dankte mit volltönendem Applaus und spendete den Zugaben viele verdiente Bravos: dem beschwingten „I could have danced all night“ in der Duofassung aus My fair Lady und der lyrischen Barcarolle aus Offenbachs Hoffmanns Erzählungen. Johann Grad
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Photo: Johann Grad
